Ihr Immunsystem altert schneller als der Rest von Ihnen. Das lässt sich messen und beeinflussen.
Sie werden mit den Jahren schneller krank und brauchen länger, um wieder auf die Beine zu kommen. Das kennen Sie.
Was die wenigsten wissen: Ihr Immunsystem hat noch drei weitere Jobs, die direkt darüber entscheiden, wie schnell Sie altern. Es erkennt und entsorgt entzündungsfördernde, seneszente Zellen, sog. Zombiezellen im ganzen Körper. Es bekämpft mutierte Zellen und schützt somit vor der Entstehung von Krebs. Und es muss dabei gesundes eigenes Gewebe in Ruhe lassen, sonst entsteht eine Autoimmunerkrankung.
Weil Ihr Immunsystem im gesamten Körper unterwegs ist, wirkt sich sein Zustand auch auf den gesamten Körper aus. Genau deshalb ist die Immunfunktion einer der stärksten Hebel in der Langlebigkeitsforschung.

Ihre Immunzellen haben eine eingebaute Uhr, und die lässt sich messen
Eine Studie an über 64-Jährigen zeigte nach 60 Sitzungen HBO eine Verlängerung der Telomere in den wichtigsten Immunzelltypen um bis zu 37 Prozent. Telomerlänge zählt zu den aussagekräftigsten Markern für biologisches Alter.
Stellen Sie sich Telomere wie die Kappen an Schnürsenkeln vor. Sie verhindern, dass die Enden ausfransen. Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, wird diese Kappe ein Stückchen kürzer.
Ihre T-Zellen werden im Knochenmark gebildet und dann in der Thymusdrüse ausgebildet, bevor sie einsatzbereit sind. Diese Thymusdrüse schrumpft mit dem Alter und wird größtenteils zu Fettgewebe. Frischer Nachschub an neuen T-Zellen versiegt also mit den Jahren fast vollständig.
Weil kaum noch neue Zellen nachkommen, muss sich der vorhandene Bestand selbst vermehren, um die Mannschaftsstärke zu halten. Zusätzlich vervielfachen sich Ihre T-Zellen bei jeder Infektion im Leben massiv, um den Erreger zu bekämpfen. Jede dieser Teilungen kostet ein Stück Telomer. Ist die Kappe irgendwann aufgebraucht, kann sich die Zelle nicht mehr teilen. Sie stirbt entweder ab oder bleibt als funktionsunfähige Zombiezelle liegen.
Forscher des Sagol Center for Hyperbaric Medicine in Israel wollten wissen, ob sich dieser Prozess beeinflussen lässt. 30 gesunde Erwachsene ab 64 Jahren machten 60 Sitzungen HBO bei 2 ATA über drei Monate. Danach waren die Telomere in allen untersuchten Immunzellen länger als vorher:
bis zu 37,6 Prozent länger
B-Zellen
bis zu 29,3 Prozent länger
T-Helferzellen
20,6 Prozent länger
Natürliche Killerzellen
24,1 Prozent länger
Zytotoxische T-Zellen
Der Effekt ist kein Zufall. HBO zieht die ältesten, verschlissensten Zellen aus dem Verkehr und ersetzt sie durch frische Rekruten. Möglich macht das die Stammzellmobilisierung über HIF-1alpha, denselben Mechanismus, den Sie im nächsten Abschnitt kennenlernen.
Der Effekt gleicht dem, was ein Sportverein macht, wenn er seine ältesten Spieler in den Ruhestand schickt und durch junge Talente ersetzt: Die Mannschaftsstärke bleibt erhalten, aber die durchschnittliche Fitness des Teams steigt. Genau das spiegelt sich in den gemessenen Telomerwerten wider.
Sport oder eine gute Ernährung schaffen in vergleichbaren Studien meist nur, den Verlust zu bremsen. Durch die HBO drehte sich der Trend um und eine Telomerverlängerung wurde erzielt.
Quelle: Hachmo et al., Aging, 2020.
Was macht ein paar tausend Zombiezellen im Körper eigentlich für einen Unterschied? Eine ganze Menge, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Wenn kaputte Zellen bleiben, entzündet sich Ihr ganzer Körper leise
Dieselbe Studie zeigte einen Rückgang funktionsunfähiger, entzündungsfördernder Immunzellen um bis zu 37 Prozent. Weniger dieser Zellen bedeutet weniger Dauerentzündung im System.
Gealterte Zellen, sterben in einem gesunden Körper normalerweise von allein ab. Funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr, dann senden sie Alarmsignale aus, damit sie von der Immunabwehr gefunden und aufgelöst werden.
In der Forschung heißt dieser Zustand SASP, und das Ergebnis ist eine Art Dauerfeuer im Körper, ein niedriges, chronisches Entzündungsniveau. Der Fachbegriff dafür ist Inflammaging, zusammengesetzt aus Inflammation und Aging.
Eigentlich ist genau das ein Job Ihres Immunsystems: liegen gebliebene, kaputte Zellen aufspüren und entsorgen. Mit dem Alter wird Ihr Immunsystem bei dieser Aufräumarbeit langsamer. Weniger Aufräumen bedeutet mehr liegen gebliebene Zellen, mehr Alarmsignale, mehr Entzündung, und diese Entzündung belastet wiederum das Immunsystem selbst.
Der gemessene Rückgang seneszenter Immunzellen in der HBO-Studie, minus 37,3 Prozent bei T-Helferzellen und minus 11 Prozent bei zytotoxischen T-Zellen, betrifft genau diese Aufräumtruppe. Weniger kaputte Immunzellen bedeuten mehr Kapazität, auch im übrigen Körper aufzuräumen.
Wie schafft es HBO überhaupt, den Körper zu einer solchen Aufräumaktion zu bewegen? Die Antwort ist ein Prinzip, das Sie vermutlich schon aus dem Fitnessstudio kennen.
Der Körper wird stärker, wenn man ihn kurz herausfordert. HBO nutzt genau diesen Trick.
Ein kurzer, kontrollierter Sauerstoffreiz während der Sitzung stößt eine Reparaturkaskade an. In Studien beobachtet: Alte, seneszente Zellen werden abgetötet, Stammzellen mobilisiert und neue Zellen übernehmen.
Warum werden Muskeln nach dem Training stärker, statt einfach nur erschöpft zu sein? Weil der kurze Belastungsreiz eine Anpassung auslöst, die über den Ausgangszustand hinausschießt. Der Fachbegriff dafür ist Hormesis, und dasselbe Prinzip steckt hinter der Sauna, dem Eisbaden oder anderen Trainings: ein kurzer Stress, gefolgt von einer Schutzreaktion, die Ihre Biologie langfristig stärkt.
Genau das passiert bei HBO im Körper. Der stark erhöhte Sauerstoffdruck erzeugt für kurze Zeit mehr freie Radikale, als die Zelle im Alltag erlebt. Für die Zelle ist das ein Alarmsignal, kein Schaden. In Studien wurde dieses Signal mit der Ausschüttung von Wachstumsfaktoren und der Mobilisierung von Stammzellen in Verbindung gebracht, was den Austausch alter, kaputter Zellen gegen frische begünstigen kann.
HBO liefert dabei zusätzlich einen Effekt, den Bergsteiger und Höhentrainingssportler kennen. Werden während der Sitzung die vorgeschriebenen Sauerstoffpausen eingehalten, registrieren die Zellen den kurzen Sättigungsabfall wie einen Sauerstoffmangel.
In der Forschung heißt dieser Wechsel zwischen Sauerstoffüberschuss und Normaldruck das hyperoxisch-hypoxische Paradoxon. Ausgelöst wird er über den Botenstoff HIF-1alpha. Der Körper bildet daraufhin neue Blutgefäße, mobilisiert Stammzellen und startet die Zellreparatur.
Und das Beste daran: Dieser Effekt hört nicht auf, sobald Sie die Kammer verlassen. Alte Zellen wurden ersetzt, das Entzündungsniveau gesenkt, beides bleibt bestehen, auch nachdem die Behandlung selbst vorbei ist.
Aber wie schützt sich der Körper eigentlich langfristig vor den freien Radikalen, die er dafür kurzfristig produziert? Dafür gibt es einen eingebauten Schalter.
Ihr Körper hat einen eingebauten Notfallschalter gegen freie Radikale. HBO drückt ihn.
In zellulären Untersuchungen aktivierte HBO die körpereigenen Schutzenzyme gegen freie Radikale deutlich stärker als im Ruhezustand. Nach wiederholten Sitzungen war die gemessene Enzymaktivität höher als zu Beginn.
Jede Zelle trägt einen Notfallschalter namens Nrf2 in sich. Im Normalzustand ist er blockiert und tut nichts.
Trifft ein oxidativer Reiz ein, wie eben der kurze Radikal-Peak während einer HBO-Sitzung, löst sich der Schalter, wandert in den Zellkern und aktiviert dort eine ganze Reihe von Schutzenzymen: Superoxid-Dismutase, Katalase, Glutathionperoxidase. Diese Enzyme sind die eigentlichen Feuerwehrleute, die freie Radikale löschen.
In Laboruntersuchungen führte HBO zu deutlich mehr Nrf2-Aktivität und in der Folge zu mehr dieser Schutzenzyme. Bemerkenswert dabei: Die Enzyme blieben länger aktiv als die freien Radikale, die den Alarm ausgelöst hatten. Nach wiederholten Sitzungen war in den untersuchten Zellen mehr Abwehrkapazität vorhanden als vor der ersten Sitzung.
Vier Prozesse, ein gemeinsamer Hebel
Telomerverkürzung in Immunzellen, Inflammaging, ein fehlender Stressreiz und eine geschwächte Radikalabwehr sind vier der zentralen Prozesse, mit denen sich die Alternsforschung heute beschäftigt. In den hier zitierten Studien setzt HBO an allen vier Stellen an, über einen einzigen Mechanismus: einen kurzen, dosierten Sauerstoffreiz, der den Körper zur eigenen Reparatur anregt.
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Quellen
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